Hilfe beim Gebrauchtkauf

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oldman

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KTM
BMW R 1200 GSA 2009
So, hier mal eine kleine Aufstellung, was man beim Kauf von gebr. Motorrädern beachten sollte:

Im Vorfeld seiner Bemühungen ist erstmal wichtig, was will ich den ?

1. Die Qual der Wahl. Sumo oder Enduro?
Hier entscheidet es sich schon, will man eine Supermoto, sprich auf der Straße kurvenjagen oder eher ins Gelände. Kann man sich nicht entscheiden was man will, so ist man mit einer Enduro besser bedient. Denn die Enduro kann beides. Sie ist auf der Straße nicht zu verachten und im Gelände nicht die langsamste.

2. Budget

Generell muss man sagen, dass Enduros günstiger gehandelt werden als Supermotos. Dies liegt vor allem am besseren Wiederverkaufswert von Supermotos. Die sind einfach in Mode derzeit, deshalb auch der bessere Preis. Grob geschätzt kann man sagen, Supermoto´s sind ca. 200 -700 € teurer als vergleichbare Enduro´s.

< 1000 Euro
Dafür bekommt man keine große KTM. Jedenfalls keine mit der man ohne zu schrauben längerfristig Spaß hat. Es werden LC 4 mit Motorschaden unter 1000 Euro gehandelt. In diesem Fall muss man aber zum Teil über 1.000 Euro je nach Schaden investieren.
In dieser Preisklasse zu finden sind in der Regel sehr alte Modell aus den 80er Jahren und die Kindermodelle SX 50/65

1.000 - 2.000
Dafür bekommt man ältere, meist Enduros der Baujahre 89 -95, die entsprechend ihres Alters auch oftmals in einem entsprechenden Zustand sind. Km – Angaben von 20 – 50.000 sind nicht selten.

Auch die 125er Modelle ( Sting, EXC, SX ) sind zu diesem Preis erhältlich

2.000 - 3.000
Hier werden Modelle angeboten, die von 94 aufwärts bis Ende der 90 Jahre reichen, ( z.B. 620 LC 4, 400 LC4, 400 EXC, 525 EXC ) Zustand und Umbauten können den Preis natürlich treiben.

3.000 - 4.000
Für diese Summe sind Modelle ab 2000 – 2006 zu finden, entweder als Gelände oder Sumo, die KM pendeln so zw. 8.000 – 25.000. Auch die EXC-Modelle ( 525, 450 SX-F ) sind in dieser Preisklasse anzutreffen.

5.000 - 6.000
Die neueren KTM mit der Doppelauspuffanlage Baujahr 2004 – 2007, die EXC ab 2005 sind in dieser Preisklasse zu finden. Km-Angaben für die Sumo´s zwischen 1500 – 15.000 km. Auch schon die ersten 690er dürften in diesem Segment zu finden sein.

> 6.000
wenn man vorhat, mehr als 6.000 Euro für eine Einzylinder KTM auszugeben, so bekommt man dafür schon eine sehr gute fast neue KTM. Wie bei allen Motorrädern ist im ersten Jahr der Wertverlust am größten. So sollte es möglich sein, eine LC4 / 690, die maximal 2 Jahre alt ist mit guten Laufleistungen zu bekommen.


Die Preisangaben sowie die Modellauswahl sind keine Gewähr, sondern nur ein Anhaltspunkt, um sich mal etwas orientieren zu können. ( Stand Jan. 2008 )

Zubehör

Hier mal eine grobe Auflistung inwieweit die Teile den Preis eines Motorrades verändern

- 200 abgefahrene Reifen
- 100 Kettenkit abgefahren
- 100 undichte Gabel
- 100 Originalauspuff
- 100 je Vorbesitzer

- ?? Originalteile nicht vorhanden


+ 100 gut erhaltener Sportauspuff ( mit ABE )
+ 200 Akrapovic ESD ( mit ABE )
+ 100 Leistungskrümmer (Akrapovic / ABP)
+ 100 Flachschieber statt BST 40
+ 200 Flachschieber mit Beschleunigerpumpe
+ 300 Keihin FCR 41 MX

+ ? Carbon-Teile ( Seitendeckel, Gabelschützer, Ölfilterabdeckung, Kotflügel, Tankspoiler usw. )

+ 100 Wave-Bremsscheibe(n)



3. Modellübersicht

Hier eine kurze Modellübersicht was es in der LC4 Baureihe so alles gibt und gab.

EGS
Enduroversion.

SM
Supermotoversion. Geändertes Fahrwerk, große Bremse vorn ( 320 mm mit 4-Kolben-Brembo-Bremszange ), Reifen: 120/70/17 und 160/70/17

SC
Supercompetition.
Kleiner Ölkreislauf. Benötigt alle 2.500km einen Ölwechsel. Angeschraubtes Alu-Heck,
nur mit gedrosselter Leistung eintragungsfähig.
Nur Kickstarter

625 / 660 SMC
der Nachfolger der Supercompetition. großer Ölkreislauf aber immer noch gedrosselte Leistung eingetragen. Pseudo legale offene Leistungseintragung ist möglich. Abgespeckte Version der LC 4, keine Batterie, Alu-Heck, ( kein Sozius-Betrieb ) Ab Werk den Keihin Flachschiebervergaser MX FCR 41 verbaut, kein Zündschloss. Bis 2004 Inspektion alle 2500 km, danach auf 5000 km angehoben.
660 SMC nur Kickstarter.
Die 660 SMC vom Bj. 2003 sind auffällig geworden durch KW-bzw.-Pleuellagerschaden ( Kürbisfäule )


400
[albumimg:30c0e001a1]3414[/albumimg:30c0e001a1]

Techn. Daten:
Hubraum: 398 ccm³
Leistung: 39 PS/ 35 Nm
Vergaser:Dellorto 38 mm
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
Kickstarter, E-Starter
Gewicht : 159 kg
Tankinhalt: 12,5 Liter

600
Hergestellt von 1987 - 1993
[albumimg:30c0e001a1]3263[/albumimg:30c0e001a1] KTM 600 (´93)
Motor verfügt über keine Ausgleichswelle, Antrieb der Wasserpumpe über E-Motor. (1990 )

Techn Daten:
Hubraum 549 ccm³
Leistung: 27 -49 PS / ? Nm
Vergaser: Dellorto 38
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
Kickstarter
Trockengewicht 152 kg
Tankinhalt: 9 - 20 Liter


620, Duke 1
Produziert von 1993 - 2001
[albumimg:30c0e001a1]3264[/albumimg:30c0e001a1] 620 SXC
[albumimg:30c0e001a1]3507[/albumimg:30c0e001a1] Duke 1
Antrieb der Wasserpumpe nun wieder direkt über die Nockenwelle. Hubraumerweiterung durch neue Kurbelwelle und größere Bohrung.
Bei der Duke 1 ist es gelegentlich zu Rissen an der rechten Rahmenunterseite gekommen, also darauf achten.

Techn Daten:
Hubraum 609 ccm³
Leistung: 49 PS / ? Nm
Vergaser: Dellorto 40
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
Kickstarter
Trockengewicht 150 kg
Tankinhalt: 20 Liter

625

Hergestellt von 1998 - 2007
[albumimg:30c0e001a1]3266[/albumimg:30c0e001a1]

Techn Daten:
Hubraum 625 ccm³
Leistung: 29 PS / 41 Nm
Vergaser:MX FCR 41
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
E-und Kickstarter
Trockengewicht 146 kg
Tankinhalt: 9,2 Liter



625 / 640 / 640 AdventureDuke 2
[albumimg:30c0e001a1]3267[/albumimg:30c0e001a1] 640 SM ( 2001)
[albumimg:30c0e001a1]3259[/albumimg:30c0e001a1] 640 SM
[albumimg:30c0e001a1]3260[/albumimg:30c0e001a1] 640 Enduro
[albumimg:30c0e001a1]3258[/albumimg:30c0e001a1] 640 Adventure
[albumimg:30c0e001a1]3415[/albumimg:30c0e001a1] Duke 2

Unterschiede 2002/2003

Motor

-kein High Flow Zylinderkopf
-Noch das alte Getriebeeingangslager verbaut (Schwachstelle) ab 2003 wurde anstelle eines Kugellagers ein Zylinderrollenlager verbaut. Kann man aber, wenn man nicht gerade 2 linke Hände und das entsprechende Werkzeug hat, ohne Probleme selbst tauschen.

Fahrgestell:

Ab 2003 wurde anstatt einer 43er eine 48er WP Gabel verbaut.
Außerdem gab`s die breite Schwinge für die SM ab 2003 und vorne serienmäßig eine 4 Kolbenbremsanlage mit 13er Handpumpe (davor 2 Kolben mit 11er Handpumpe).

Hergestellt von 1998 - 2007
Techn Daten:
Hubraum 625 ccm³
Leistung: 54 PS / 60 Nm
Vergaser: Mikuni BST 40
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
E-und Kickstarter
Trockengewicht 149 kg (Adv. 158 kg )
Tankinhalt:12 Liter ( ADV bis 28 Liter )


625 SMC, 660 SMC
[albumimg:30c0e001a1]3266[/albumimg:30c0e001a1] 625 SMC

Es gibt Versionen mit kleinem Ölkreislauf (2003) und großen Ölkreislauf (2004 - 2006). 2003 waren speziell die 660er von Kurbelwellenlager bzw. Pleuellagerschäden betroffen ( Kürbisfäule )
Dieses Modell ( 660 ) hat keinen E-Starter und ist nur gedrosselt zulassungsfähig. Es ist ebenfalls eine Pseudo legale offene Leistungseintragung möglich.
Techn Daten:
Hubraum 654 ccm³
Leistung: 29 PS / 41 Nm
Vergaser:MX FCR 41
5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
E-und Kickstarter
Trockengewicht 138 kg
Tankinhalt 9,2 Liter


690 / 690 SMC / 690 Duke / Supermoto /(R)
[albumimg:30c0e001a1]3262[/albumimg:30c0e001a1] 690 Supermoto
[albumimg:30c0e001a1]3265[/albumimg:30c0e001a1] 690 SMC
[albumimg:30c0e001a1]3269[/albumimg:30c0e001a1] 690 Duke III
[albumimg:30c0e001a1]3270[/albumimg:30c0e001a1] 690 Enduro
kpl. neues Bike, Gitterrohrrahmen, teils Gußräder ( je nach Modell ). Anfangs wegen der Optik ( 690 Supermoto ) als " Ente " betitelt, hat sich speziell die SMC sowie die Enduro mittlerweile einen recht guten Namen gemacht.

Nachfolger der altbekannten LC 4-Reihe, erhältlich als Enduro oder als Supermoto und Duke ( III )
Techn. Daten:
Hubraum 654 ccm³
Leistung: 63 PS / 64 Nm ( Duke 65 PS / 65 Nm )
Einspritzung
6-Gang-Getriebe, Kettenantrieb
E-Starter
Trockengewicht 139 kg ( Duke 148,5 kg, Supermoto / (R) 153 kg )
Tankinhalt 12 Liter ( Duke 13,5 Liter, Supermoto / (R) 14 Liter )



Bilder zu den jeweiligen Motorrädern ( 1992 -2001) unter www.ktm-lc4.net ==> Modelle

Der Termin beim Verkäufer ist ausgemacht, oder das Bike steht beim Händler, jetzt ist es natürlich wichtig, was ist zu beachten bei einer KTM ?

Der 1. Eindruck ist oftmals entscheidend. Also, die Plastic´s verweisen natürlich ( wenn sie nicht vorher getauscht wurden ) auf die ungefähre Behandlung durch den ( die ) Besitzer. Kleiner Kratzer bei einer Enduro oder EXC sind ja nix schlimmes, bei gröberen Schäden an den Verkleidungs, - Rahmen - und Anbauteilen, ist die Maschine entsprechend gefordert worden, oder hatte entsprechende Umfaller/ Unfall.
Also, Griffe, Lenker, Hebel, Fußrasten, Heckausleger und Auspuff auf Schäden prüfen.

Überprüfung des Lenkkopflagers, Schwingenlager, Radlager, Batteriesäurestand ( bei einer Blei-Batterie :mrgreen: ), elektrische Einrichtungen, Schalter und Instrumente.

Gabelsimmeringe ( Dichtheit ) vor und nach einer Probefahrt, die ruhig etwas ausgiebiger ausfallen sollte, also eine halbe Std. sollte man sich schon Zeit nehmen.

Ist der Motor äußerlich trocken ?

Stellen die gern ölen sind:
Der Zylinderfuß
Die beiden Dichtungen am Zylinderkopf
Die Ölablassschraube unterm Motor
Eine besonders empfindliche Stelle für Ölverlust ist die Welle am Kicktstarter.
Diese Dichtung wird besonders bei den älteren Modellen (~95) undicht. An sich ist diese Dichtung nicht teuer aber um sie zu wechseln muss der Motor geöffnet werden, was wieder einen kompletten Motordichtsatz mit sich bringt, welcher dann doch wieder teuer wird.

Ölstand des Motor´s prüfen.
Sind die Züge leichtgängig ( Kupplung und Gas, Deko-Zug ) ? korrekte Verlegung der Züge ?
Bremsanlage checken ( Stärke der Scheiben, Bremsscheibenverschleiß wenn möglich / Verfärbungen, Belagstärke )
Kickstarter prüfen ( er sollte auch waagerecht stehen, wird beim kicken sonst etwas mühselig, ein neuer Kickstarterhebel sind 90 € )

Okay, das Motorrad macht einen guten Eindruck, dann mal vor der Probefahrt prüfen, ob der Motor kalt oder warm ist. ( Hand an eine Gehäusehälfte )
Hintergrund: Bei einem E-Start-Modell kann man so die Batterieschwäche retuschieren.

So, jetzt geht´s mal an die Papiere:

Ist es das Motorrad ? Sind die evtl. veränderten Teile ( z.B. Auspuff, Vergaser, Reifen ) zulässig, eingetragen oder liegt eine ABE vor ?
Sind die Kilometer auf dem Tacho nachzuweisen anhand von Serviceunterlagen ? Wann war der letzte Service ?
Weiter geht´s: Kontrolle der Elektrik, ( Blinker, Licht, Bremslicht, Hupe, Kontrollleuchten) Reifen: Profiltiefe, Abfahrbild, Beschädigungen ? Lufi anschauen, ein verschmutzter, vergammelter Lufi ist kein gutes Zeichen für Pflege.

Vor der Probefahrt ist es ratsam, auch ein E-Start-Modell mal anzukicken, um eine evtl. " Schwäche " bei der Vergaserabstimmung zu entdecken, auch kann einem ja mal unterwegs ein Mißgeschick passieren ( Batterie will nicht mehr ) und somit ist auch geklärt, ob das kicken machbar ist. :wink:

Okay, das Motorrad läuft, dann mal im Stand auf " ungewöhnliche " Geräusche achten ( natürlich ohne Helm ). Eine KTM klingt generell seltsam ( für Anfänger ), gibt sich jedoch im warmen Zustand etwas. Wenn man jemanden dabei hat, der auch schon mal eine KTM gefahren hat, ist das sicher nicht verkehrt.

Aufsitzen, es geht los. Die ersten Meter etwas sacht mit dem Gas umgehen, die Einzylinder wollen immer warm gefahren werden. Sind so ca 10-20 km, je nach Witterung. Bis dahin kann man sich ja mal etwas zurecht finden, " paßt " mir das Teil den überhaupt ? Die Vibrationen sind ja nicht jedermanns Sache.

Motor ist jetzt auf Betriebstemperatur, ein verbauter Ölthermometer ist ein gutes Zeichen für den Verkäufer, jetzt darf mal etwas mehr Gas gegeben werden. Gibt es Aussetzer beim Gasgeben ? Oder dreht der Motor sauber hoch ? Schlägt die Kette ? Qualmt der Auspuff ( speziell die 4-Takter ) blau ( Öl wird verbrannt ) ?

Bremse testen, vorne wie hinten. Greift die Bremse gleich oder muss man " pumpen " ?
Trennt die Kupplung sauber und läßt sich das Getriebe gut schalten ?

Auch mal kurz während der Fahrt den Lenker loslassen, zieht das Motorrad auf eine Seite ?

Zurück beim Verkäufer, den Motor ausmachen und den jetzt warmen Motor mal ankicken.

Sind die Gabelholme noch trocken ? Undichtigkeiten am Motor ? Ölleitungen alle dicht ?

Evtl. nach 5 Minuten Standzeit nochmals den Ölstand checken.

Speziell zu beachten ist bei der 690er ( mit Dank an tscheiti :1400: )


- schau dir den Kühler an, der Lüfter und das Lüfterkabel scheuern manchmal daran
- den Tacho genau inspizieren, die werden gerne undicht -> Stichwort "Tachoschimmel"
- die Spritleitung zwischen Rahmen und Luftfilter ansehen, die ist manchmal zwischen einer Schraube und dem Rahmen angescheuert
- die ganze Heck- Rücklicht- und Kennzeichenhalterkonstruktion auf Vibrationsschäden (Brüche, ausgerissene Schrauben,..) prüfen

Das sind so im groben die Punkte, auf die man achten sollte.
Alle Angaben ohne Gewähr

Für sachdienliche Hinweise, auf was man beim Gebrauchtkauf bei KTM achten sollte, oder Richtigstellungen bei der Liste, bitte PN oder Mail.
 
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