88er ER 600 Projekt mit vielen Überraschungen

Mitglied seit
22 April 2024
Beiträge
57
KTM
ER 600 LC4, Bj. 1988
Hallo erstmal. Ich hatte letztes Wochenende die dumme Idee: Ich muss endlich mal einen Motorradführerschein machen und da ich nichts normales fahren kann, wie man an meinem Mazda RX7 SA von 1980 mit Vergaser-Turbo-Umbau und meinem MX5 Rundstreckenrennwagen sehen kann, musste natürlich ein komplett bescheuert es Motorrad her.
Also etwas gesucht und eine 88er KTM ER 600 LC4 für 700€ in fragwürdigem Zustand mit am Kickstarter gebrochenem Motorgehäuse gekauft. ( Ersatzgehäuse war dabei)
IMG_20240420_202931.jpg
So sah sie nach der Abholung aus. Der Schaden kam übrigens davon, dass der Dekompressionshebel nicht funktioniert und der Vorbesitzer mit absolut brutaler Gewalt über den OT getreten hat. Muss man auch erstmal schaffen...

Jetzt habe ich also erstmal mit einer Bestandsaufnahme angefangen und bin etwas verwirrt. Das Motorrad scheint nicht so ganz original zu sein. 1988 sollte es keinen großen Ölkreislauf gegeben haben, richtig?

IMG_20240422_192543.jpg
Jetzt wird's lustig: da gehen zwei Ölleitungen an das Brustrohr, eine links, eine rechts. Es wird noch seltsamer: Die eine Leitung kommt von der Doppelhohlschraube am Ölfilterdeckel, die andere Leitung geht von oben vom Brustrohr zum Ventildeckel auf der Vorderseite vom Motorrad.
IMG_20240422_192549.jpg
Sowas lässt sich in keinem Handbuch finden. Der Rahmen der KTM ist aber immer noch im Erstlack, da wurde also nichts am Brustrohr geschweißt oder so. Einen Ölfilter gibt's am Brustrohr unten übrigens auch nicht, dafür aber einer Ablassschraube. Ich finde das alles ja total interessant und wüsste jetzt wirklich gerne, was ich mir da eigentlich in die Werkstatt geholt habe.

Der Motor hat übrigens auch schon eine mechanische Wasserpumpe und wurde definitiv schon einmal überholt und hat einen neuen Zylinder bekommen, das wundert mich aber tatsächlich noch am wenigsten.

Ein Tacho oder Zündschloss war nicht vorhanden. Es war aber mal ein (vermutlich ziemlich teurer) Digitaltacho verbaut mit allen möglichen Sensoren für Öl- und Wassertemperatur. Die Sensoren sind noch da, Reste der Verdrahtung auch, aber der Tacho selbst hat Beine bekommen.

Der Plan im Allgemeinen ist übrigens, alles wieder TÜV-konform herzurichten, Rahmen lackieren, die komplette Verkleidung auf ein 2002er Modell umzurüsten (ja, wird bestimmt lustig, weil vermutlich nichts passen wird) und natürlich dem Motor sein neues Gehäuse zu verpassen. Alle alten Plastikteile sind vermackt und zerbrochen und die Elektrik ist ein einziger Kabelsalat, bei dem Tacho und Zündschloss wie gesagt fehlen und alle möglichen anderen Sachen defekt sind. Es lohnt sich also nicht wirklich, neue korrekte Bauteile zu besorgen, daher der etwas unkonventionelle Weg.

Ich bin übrigens Industriemeister für Mechatronik, habe mir Lackieren selber beigebracht und schraube seit ca. 15 Jahren an allen möglichen Autos R
rum und baue sie um, falls ihr euch fragt, welcher Irre sich sowas aufhalst.
 
willkommen im Forum,
Dein Projekt sieht nach Arbeit aus, aber genau das kann auch den Reiz ausmachen.
viel Erfolg und halt uns auf dem laufenden

Andy
 
Wow, spannendes Projekt! Wie schon mein Vorredner gesagt hat - viel Erfolg dir und halte uns am Laufenden ;-)

Und natürlich herzlich willkommen!

LG
Tom
 
Geiles Projekt. Da dürften nochmal ein paar Euros reingehen... Aber vor allem Zeit.

Blauer Motor! Yeah! Die alten Modelle bis ca. 93 hatten zum Teil den großen Ölkreislauf mit Vorrat im Rahmenbrustrohr. Allerdings dem großen Filter hinter dem Zylinder. Da bietet es sich an auf das neue Filtergehäuse umzubauen, die Klorollen sind teuer und kaum zu bekommen.

Die ersten Modelle hatten noch eine Ölleitung zum Kopfdeckel. Ist dann irgendwann weggefallen.

Maske und Kotflügel vorne sind natürlich nicht mehr original. Wenn es originaler werden soll, André horvaths hat bestimmt noch passende Teile.

So eine oldschool Supermoto hätte ja auch was....
 

Anhänge

  • Screenshot_2024-04-23-07-05-08-659_com.android.chrome.jpg
    Screenshot_2024-04-23-07-05-08-659_com.android.chrome.jpg
    277,6 KB · Aufrufe: 53
Geiles Projekt. Da dürften nochmal ein paar Euros reingehen... Aber vor allem Zeit.

Blauer Motor! Yeah! Die alten Modelle bis ca. 93 hatten zum Teil den großen Ölkreislauf mit Vorrat im Rahmenbrustrohr. Allerdings dem großen Filter hinter dem Zylinder. Da bietet es sich an auf das neue Filtergehäuse umzubauen, die Klorollen sind teuer und kaum zu bekommen.

Die ersten Modelle hatten noch eine Ölleitung zum Kopfdeckel. Ist dann irgendwann weggefallen.

Maske und Kotflügel vorne sind natürlich nicht mehr original. Wenn es originaler werden soll, André horvaths hat bestimmt noch passende Teile.

So eine oldschool Supermoto hätte ja auch was....
Filter sind kein Problem. Gibt’s bei Normotec für kleines Geld.
 
Hallo,

In den Anfangsjahren der LC4 gab es schon viele Schmierungsvarianten... das Fahrzeug ist teilweise nicht mehr im Originalzustand wie du ja selbst schon festgestellt hast. Der Zylinder und Zylinderkopf stammen jedenfalls aus späteren Baujahren. Original ging die Ölleitung oben am Kopfdeckel zur Nockenwelle - du siehst auch noch den Anguss für die vorgesehene Position. Ich vermute der Anschluß am vorderen Ventildeckel war eine "Notlösung". Öl im Rahmen war glaube ich bei den Incas Modellen schon so. Gabel und Vorderbremse sehen auch nicht dem Baujahr entsprechend aus. Sieht für mich bereits nach Brembo und 300mm aus. Sollte original eine andere Nabe und eine andere schwarze Bremszange haben... Eine Adaption auf 2092 wäre Schade und aus meiner Sicht sinnlos. Original wäre zumindest Original. Viel Spaß mit der alten Kiste!
 
Hallo,

In den Anfangsjahren der LC4 gab es schon viele Schmierungsvarianten... das Fahrzeug ist teilweise nicht mehr im Originalzustand wie du ja selbst schon festgestellt hast. Der Zylinder und Zylinderkopf stammen jedenfalls aus späteren Baujahren. Original ging die Ölleitung oben am Kopfdeckel zur Nockenwelle - du siehst auch noch den Anguss für die vorgesehene Position. Ich vermute der Anschluß am vorderen Ventildeckel war eine "Notlösung". Öl im Rahmen war glaube ich bei den Incas Modellen schon so. Gabel und Vorderbremse sehen auch nicht dem Baujahr entsprechend aus. Sieht für mich bereits nach Brembo und 300mm aus. Sollte original eine andere Nabe und eine andere schwarze Bremszange haben... Eine Adaption auf 2092 wäre Schade und aus meiner Sicht sinnlos. Original wäre zumindest Original. Viel Spaß mit der alten Kiste!
Original ist ja so gut wie nichts mehr an der KTM und was original ist, ist größtenteils defekt. Wenn ich jetzt die ganzen Teile besorgen würde, würde es ewig dauern, einen Sack voll Geld kosten und am Ende würde das Motorrad auch nicht besser fahren. Es soll keine Restauration werden, sondern ein fahrbares, straßentaugliches Motorrad für günstiges Geld. Den kompletten Verkleidungssatz vom 2002er Modell bekomme ich z.B. für 150€ gebraucht. Neue Halterungen dafür bauen kostet mich Zeit, aber kein Geld. Die Reparatur vom Motor kostet vielleicht 100€ für Lager und Dichtungen, Elektrik ist mein Beruf, kostet mich also auch so gut wie nichts.

Wäre das Motorrad jetzt in einem halbwegs brauchbaren Zustand gewesen, würde ich es natürlich wieder so hinstellen, wie es ab Werk kam, aber das lohnt sich hier einfach nicht.

Aber es ist sehr interessant, dass da auch eine größere Bremse verbaut ist. Könnte tatsächlich sein, dass es eine umgebaute Incas ist. Im Fahrzeugschein sind der Tank und andere Verkleidungsteile extra eingetragen. Jetzt Frage ich mich nur, warum KTM den Ölvorrat im Brustrohr am Anfang so selten verbaut hat und dann ein paar Jahre ganz aufgehört hat damit.
 
Öl weglassen - Gewicht sparen bei den Wettbewerbsmotorrädern. Die LC4 ist ja irgendwo mal eine ziemlich flotte Enduro gewesen... :) bei den dann "reisetauglichen" und Straßenmopeds war ja das Öl im Brustrohr nie weg. Die erste Duke hatte schon den Schraubfilter noch ohne extra Ablass-Schraube.
 
Ich glaub für eine geländetaugliche Maschine dürfte die immer noch sehr zügig sein, zumindest wenn man sie mit anderen straßenzugelassenen von heute vergleicht. Die meisten müssen ja heute gedrosselt einfahren für die Umwelt, meine hat noch 47ps und 92db eingetragen.

Da ist übrigens gerade meine teuerste Baustelle: Der Schalldämpfer ist hinüber. Ich glaube, da ist auch ein Fehler im Fahrzeugschein. Angeblich ist einer mit der Nummer "KTM80E" verbaut. Ich vermute, jemand hat die 5 geklaut. Eigenbau müsste bei dem Baujahr noch möglich sein, oder?
 
So in etwa könnte das Moped etwas „Aufgehübscht“ aussehen. War mein letztes Winter Projekt (y)
 

Anhänge

  • IMG_3044.jpeg
    IMG_3044.jpeg
    946,9 KB · Aufrufe: 37
So in etwa könnte das Moped etwas „Aufgehübscht“ aussehen. War mein letztes Winter Projekt (y)
Hübsche Mint and Pepper Variante. Gabel und Naben auch nicht original aber stimmig. Wenn man das so sieht fühlt man sich gute 30 Jahre zurückversetzt - wie rasch doch die Zeit vergeht...

Was den Umbau auf 2092 anlangt - da passt nichts - das Heck ist völlig anders du brauchst Tank, Sitzbank und Verkleidungsteile - nicht eine Aufnahme ist passend...

Als Altagsmoped - das hab ich vor knapp 35 Jahren auch gedacht und da war das Ding fast neu!
Aber ich will dir den Spaß nicht verderben, es hat damals meine LEIDENschaft für KTM entfacht - insbesonders für die LC4!
Gutes Gelingen!
 
Hübsche Mint and Pepper Variante. Gabel und Naben auch nicht original aber stimmig. Wenn man das so sieht fühlt man sich gute 30 Jahre zurückversetzt - wie rasch doch die Zeit vergeht...

Was den Umbau auf 2092 anlangt - da passt nichts - das Heck ist völlig anders du brauchst Tank, Sitzbank und Verkleidungsteile - nicht eine Aufnahme ist passend...

Als Altagsmoped - das hab ich vor knapp 35 Jahren auch gedacht und da war das Ding fast neu!
Aber ich will dir den Spaß nicht verderben, es hat damals meine LEIDENschaft für KTM entfacht - insbesonders für die LC4!
Gutes Gelingen!
Umbau auf wp48, Radsatz von einer 2022 Gas Gas Ec.
 
Hübsche Mint and Pepper Variante. Gabel und Naben auch nicht original aber stimmig. Wenn man das so sieht fühlt man sich gute 30 Jahre zurückversetzt - wie rasch doch die Zeit vergeht...

Was den Umbau auf 2092 anlangt - da passt nichts - das Heck ist völlig anders du brauchst Tank, Sitzbank und Verkleidungsteile - nicht eine Aufnahme ist passend...

Als Altagsmoped - das hab ich vor knapp 35 Jahren auch gedacht und da war das Ding fast neu!
Aber ich will dir den Spaß nicht verderben, es hat damals meine LEIDENschaft für KTM entfacht - insbesonders für die LC4!
Gutes Gelingen!
Dass da nichts passt, ist mir schon klar. Einen Tank habe ich mit zu den Verkleidungen dazu bekommen, nur die Sitzbank fehlt mir gerade noch. Für die Halter habe ich genügend Schweißgeräte. Notfalls schweiße ich das Ding zum Spaceshuttle um.:ROFLMAO:

Alltag ist nicht geplant. Ich habe 4 Autos inklusive Firmenwagen. Das Motorrad will ich nur, um ab und zu, wenn ich Lust habe, mal ne Runde zu fahren.
 
Hallo,

nun etwas böse gesprochen ...wenn du sie den anbekommst...
Viel Spaß damit!
 
Hallo,

nun etwas böse gesprochen ...wenn du sie den anbekommst...
Viel Spaß damit!
Bis jetzt hab ich noch jeden Unfug zum Laufen gebracht. Gibt vielleicht etwas Muskelkater, aber irgendwie wird sie schon anlaufen, wenn ich fertig bin. Zur Not gibt's Bremsenreiniger:p
 
....und schon werden meine beiden kleinen Projekte zum Kindergeburtstag :)

Wünsche dir gutes Gelingen und starke Nerven. Aber das hast du ja schon bei anderen Benzin - Projekten bewiesen.

Grüße Badmick
 
So heute habe ich den Plastikteilesatz von der 2002er bekommen. Ist ja eigentlich gar kein Problem. Ich brauche einen Heckrahmen von der neueren Maschine und muss den Aufnahmepunkt vom Tank versetzen. Das wird 2 Stunden Arbeit geben und alles ist gegessen. :dance3:



Die Federgabel ist übrigens Baujahr 96 und wohl von einer 620 LC4. Gibt's da eigentlich eine Anleitung für die Wartung? Neues Öl kann da wohl mal nicht schaden.



Aber mal eine andere Frage: Was ist eigentlich so die maximal empfohlene Drehzahl bei meinem Motor? Einen Begrenzer wird er ja wohl nicht haben und auf überdrehen hab ich keine Lust...
 
So heute habe ich den Plastikteilesatz von der 2002er bekommen. Ist ja eigentlich gar kein Problem. Ich brauche einen Heckrahmen von der neueren Maschine und muss den Aufnahmepunkt vom Tank versetzen. Das wird 2 Stunden Arbeit geben und alles ist gegessen. :dance3:



Die Federgabel ist übrigens Baujahr 96 und wohl von einer 620 LC4. Gibt's da eigentlich eine Anleitung für die Wartung? Neues Öl kann da wohl mal nicht schaden.



Aber mal eine andere Frage: Was ist eigentlich so die maximal empfohlene Drehzahl bei meinem Motor? Einen Begrenzer wird er ja wohl nicht haben und auf überdrehen hab ich keine Lust...
Du brauchst keinen Begrenzer, man merkt Recht schnell wenn man den Einzylinder zu hoch dreht. Das hört sich nicht gesund an ;)
 
Ich würde mir irgend einen einfachen Drehzahlmesser dranbauen und wenn es nur dazu dient, dass du eine Idee hast, wo du drehzahlmässig so bist.
Ich hab den dran. Der hat die Batterie schon eingebaut.

IMG_3252.jpeg
 
Studentenheim Wiener Neustadt

Neueste Themen

Zurück
Oben